Freitag, 24. November 2017

Friday - Flowerday # 47/17


Mein heutiger Versuch, bei diesem Novemberwetter 
die Blumendekoration zu fotografieren, sieht so aus:


Dieses warme Rot der Amaryllis & Kängurupfötchen
namens "Pyrrol Crimson"* ist eine meiner Lieblingsblütenfarben. 
Das Fußvolk sieht so aus: 

Anthurien in Mauvefarben
in Gläsern, in denen im Frühjahr Kiebitzeier gestanden haben.

Diese Farbe tut gut, wenn es draußen grauslig ist.

Auf den letzten beiden Fotos ist der natürliche Farbton der Rittersterne annähernd getroffen.
Er ist immer sehr schwer zu fotografieren.


 Und immer dabei: die dunkeldunkelroten Äpfelchen, 
die herrlich duften. 


Zuletzt die Gesamtschau für Helga/Holunderbluetchen® ( zwinker! )

Bon week - end!






* So heißt der Farbton bei meiner amerikanischen Lieblingsaquarellfarbenfirma Daniel Smith

Donnerstag, 23. November 2017

Great Women # 122: Jeanne Mammen


Schon wieder eine bildende Künstlerin! Aber ihr bevorstehender 127. Geburtstag, eine Karte von Mano aus Berlin und die Aussicht auf eine große Retrospektive dieser "sperrigsten und schillerndsten Figur der jüngeren Kunstgeschichte" haben mich den Entschluss fassen lassen, sie hier und heute vorzustellen: Jeanne Mammen. Kennengelernt habe ich sie nicht in meiner Jugend durch die oftmals erwähnte Sello- Rubrik in der "Brigitte", sondern durch Ausstellungen in Bonn um die Jahrtausendwende. Bei einem Berlinbesuch, anschließend geplant, um in der Hauptstadt mehr Werke von ihr zu sehen, standen wir allerdings vor verschlossenen Türen: Die "Berlinische Galerie" hatte den Gropius- Bau wegen Umbauarbeiten verlassen müssen...



Geboren wird Gertrud Johanna Louise Mammen am 21. November 1890 in Berlin als jüngstes Kind einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie geboren. Der Vater Gustav Oskar Mammen kommt aus einer alten ostfriesischen Familie aus Neuharlingersiel, die Mutter Ernestine Juliane Karoline Delhaes aus einer in Köln ansässigen Apothekerfamilie niederländischer Herkunft. Sie ist vor der Ehe Sprachlehrerin gewesen. Bis 1885 hat die Familie schon einmal in Paris gelebt.

Als Jeanne - so wird sie gerufen - fünf Jahre alt ist, verkauft der Vater, ein liberaler Kosmopolit, seine Berliner Schriftgießerei wieder und erwirbt stattdessen Anteile an einer Glasbläserei in der französischen Hauptstadt - zur Zeit des Art déco eine einträgliche Angelegenheit! Die Familie zieht nach Paris um und nimmt Quartier in einem schönen alten Bürgerhaus mit idyllisch - verwunschenen Garten im großbürgerlichen, vornehmen Passy. In dieser Atmosphäre verbringt Jeanne ihre frühen Jahre und begeistert sich schon zu diesem frühen Zeitpunkt fürs Malen und Zeichnen.

Französisch wird ihr zur zweiten Muttersprache, und sie wird eine fleißige Leserin französischer Literatur. Besonders fasziniert ist sie von visionären Texten wie Flauberts "Tentation de Saint Antoine" ( dt. "Die Versuchung des Heiligen Antonius" ), der zu ihrer bevorzugten Lektüre wird ( und zu dem sie später eine Serie von Illustrationen schaffen wird ).

Die fortschrittlich gesinnten Eltern ermöglichen nicht nur ihrem zweitgeborenen Sohn, sondern auch den Töchtern - Jeanne hat zwei Schwestern: Ernestine, genannt Loulou, und Marie Louise, genannt Mimi - eine angemessene Ausbildung. Nach dem Besuch des Lycée Molière, geht die knapp 16jährige zusammen mit der Schwester Mimi zum Studium an die private Pariser Académie Julian. Die künstlerischen Ambitionen der Mädchen stoßen auf großes Wohlwollen in der Familie.

1910 in Brüssel
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1908 setzen sie ihre Ausbildung an der Académie des Beaux-Arts in Brüssel fort. Jeanne scheint diese Veränderung ganz bewusst geplant zu haben, denn entgegen den in Paris vorherrschenden Tendenzen in der Kunst zu einer malerisch- koloristischen Stilsprache ist Brüssel damals die Hochburg des Symbolismus mit einer Betonung der inhaltlichen Botschaft eines Bildes. Das kommt ihrer zeichnerisch - graphischen Begabung und ihren persönlichen bildnerischen Interessen, aber auch ihren ausgeprägten literarischen Neigungen mehr entgegen. Die Brüsseler Akademie pflegt die literarische Horizonterweiterung ihrer Studenten, ist zudem besonders frauen- & ausländerfreundlich.
"Da hatten wir Anatomie und Mythologie und Architektur und Ästhetik und Literatur. Wir mußten furchtbar arbeiten: von acht Uhr früh bis zehn Uhr abends. Da sollen sich mal die faulen Onkels hier auf der Kunstschule zu Herzen nehmen. (... ) Man war den ganzen Tag auf den Beinen: morgens malen, abends zeichnen, nachmittags malen, dazu die ganzen Kurse. Es gab eine herrliche Bibliothek; da waren wir eifrige Gäste. Ich war die jüngste in der Klasse." ( Quelle hier )
"Kindsmörderin"
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Ein Beispiel für Jeannes Kunst aus dieser Zeit ist die "Kindsmörderin". Wahrscheinlich basiert das Motiv auf einem konkreten Justizfall. Sie macht aus diesem Skandal mit ihrem Bild eine Art Bühnenstück mit einem gaffenden Publikum rechts, der gefesselten "Kindsmörderin" im Mittelpunkt, vor sich das tote Neugeborene. Links von der nackten Frau gruppieren sich Richter und ein Polizist. Der breitschultrige, nackte Henker hingegen - am linken Bildrand - wendet sich ab vom Geschehen, als wolle er sich weigern, das Todesurteil zu vollstrecken - eine Identifikationsfigur der Kritik am Umgang mit der Tat?

Während oder kurz nach der Brüsseler Zeit ist das 50 Blätter umfassende Frühwerk der Künstlerin entstanden: dunkeltonig aquarellierte ( Tusch- ) Zeichnungen mit biblischen, historischen, mythologischen oder literarischen Bildinhalten. Bei einer Prüfung erhält sie den ersten Preis, eine Silbermedaille und einen Geldbetrag.

1911 geht Jeanne mit Mimi nach Rom, um ein Jahr lang an der Scuola Libera Academica, Villa Medici, ihre Ausbildung fortzusetzen, bevor sie 1912 mit ihrer Schwester ein eigenes Atelier in Paris bezieht, wo sie erstmals ihre Arbeiten präsentieren. Im gleichen Jahr sowie 1913 folgen erste Ausstellungen im Pariser Salon des Indépendants. Stilistisch weisen die Arbeiten noch immer die Einflüsse des belgischen Symbolismus auf, aber es entstehen bereits Skizzen mit Großstadtimpressionen, die an Edgar Degas, Henri Toulouse-Lautrec & Theophile-Alexandre Steinlen geschult sind und den Grundstein legen für die scharfen Beobachtungen, die in den nächsten Jahren zum Markenzeichen der Künstlerin werden.

"Schwester im Atelier" (1913)
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Doch vorher wird auch das Leben der jungen Frau  - wie das schon so vieler von mir in dieser Reihe Vorgestellten - durch die "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts, den Ersten Weltkrieg, einschneidend verändert: 

Die Familie Mammen, da deutsch, wird zu "feindlichen Ausländern" erklärt und muss, um der drohenden Internierung zu entgehen, mit dem letzten Zug aus Frankreich nach Brüssel und weiter nach Holland fliehen. Das gesamte Familienvermögen wird konfisziert & fällt an den französischen Staat. Nach Aufenthalten in Den Haag und Scheveningen kommt sie mit ihrer Schwester, völlig mittellos, im Frühjahr 1915 in der für sie fremden Geburtsstadt Berlin an. Sie müssen sehen, wie sie ihren Lebensunterhalt sichern.

Die Provinzialität der preußischen Gesellschaft, der wilhelminische Größenwahn und der herrschende Untertanengeist sind ihr, der mentalen Pariserin, fremd ( und sie wird sich nie daran gewöhnen ). Ein weiterer Schock neben den materiellen Ängsten und der Tatsache, dass als soziales Rückgrat nur noch die unmittelbare Familie übrig bleibt, ganz anders als in Paris, wo es genug Freunde gegeben hat. Begünstigt wird dadurch eine eher destruktive Stimmung, die die künstlerische Arbeit eher blockiert. 
Aus dieser bedrückenden Situation heraus gelingt es Jeanne trotzdem, sich mit über Wasser zu halten. Sie nimmt alle Arbeiten an, die sie bekommen kann: 
"...alles, alles gemacht: Puppen angemalt, Schmetterlinge ausgeschnitten, Holzschuhe genagelt, alles um nur Geld zu verdienen." Und weiter: "Ich kannte keinen Menschen, ich habe geheult wie ein Schloßhund, so scheußlich fand ich es in Deutschland. Ich sprach doch nur französisch und hatte Schwierigkeiten, mich auszudrücken. So fiel mir plötzlich nicht ein, wie Kartoffeln hießen. Mit Berlin habe ich mich niemals versöhnt: ich finde es noch heute scheußlich. Wenn ich auf den Kudamm gehe, muß ich kotzen. Die ganze Art der Leute ist mir fremd."
Die Zeichnungen, die sie Zeitschriften anbietet, werden bis auf wenige Ausnahmen von den Redaktionen abgelehnt. 1916 kann sie und ihre Schwester Illustrationen im "Kunstgewerbeblatt", 1917 in einem Novellenband unterbringen.

Titelblatt (1926)
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Im September 1919 bezieht sie gemeinsam mit der Schwester ein ehemaliges Fotografenatelier am Kurfürstendamm 29 im vierten Stock des Hinterhauses ( in diesem Wohnatelier wird sie schließlich 57 Jahre leben und arbeiten ). 

Ab 1921 entstehen unter Jeannes Händen die ersten Kinoplakate für die Ufa und Bleistiftskizzen & Aquarellblätter, darunter viele Bildnisse der Schwester, die die meist porträtierte Person ihres gesamten Werkes sein wird. 

Goldfischfang (1925)
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1922 erfolgt dann ein erster Auftrag für ein Titelbild der Zeitschrift "Die Dame" ( Heft 6, Dezember ). Weitere Illustrationsaufträge, Modezeichnungen folgen, auch Aquarelle und Zeichnungen für andere Unterhaltungsblätter, Modezeitschriften und Reklameblätter, für bürgerliche Witzblätter & satirische Zeitschriften und für Gesellschaftsorgane. Der "Simplicissimus" ist darunter, "Ulk" und "Uhu", "Die schöne Frau" oder "Styl".

Nach der ersten entbehrungsreichen Zeit kann Jeanne Mammen nun dank ihres Talents ab 1925 erste künstlerische Erfolge feiern.

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Sie stürzt sich in das brodelnde Leben der Stadt.

Und dank ihrer außergewöhnlichen zeichnerischen Fähigkeiten kann sie das auf ihren nächtlichen Streifzügen an zwielichtige Orte des großstädtischen Dschungels Gesehene quasi mit spitzer Feder festhalten.

So wird sie mit ihren Milieuschilderungen aus den Cafés und Clubs, den Tanz- und Travestie-Etablissements, den zahllosen Kneipen und den Straßen von Berlin zur Bildberichterstatterin der wilden 1920er Jahre und prägt bis heute unser Bild der Frau jener legendären Epoche unseres Landes ( wie die Fotografin Lotte Jacobi oder die Schauspiel-Sängerin Lotte Lenya ).

(1928)
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"Ich habe sie früher wahnsinnig geliebt und habe mich wahnsinnig für jeden Menschen interessiert und für jeden Typ und so."
In leichtem Pinselstrich und unverwechselbaren, pudrigen Aquarellfarben, die die Linien eher nur umspielen, verewigt sie Licht- und Schattengestalten und hält skizzenhaft also das Bild der "neuen Frau" fest, die sich im Übrigen nicht nur zum männlichen Geschlecht hingezogen fühlt. Und obwohl alles so locker, leicht und hingetupft wirkt, ist es von stupender Prägnanz und macht die krasse Realität der Weimarer Zeit nur eingängiger, verfügbarer für ihr Publikum. Jeanne prangert das soziale Elend ihrer Zeit also nur indirekt an und reitet keine höhnischen Attacken auf die bürgerliche Gesellschaft. Kurt Tucholsky schwärmt 1929 in der "Weltbühne":
"Die zarten, duftigen Aquarelle, die Sie in Magazinen und Witzblättern veröffentlichen, überragen das undisziplinierte Geschmier der meisten Ihrer Zunftkollegen derart, daß man Ihnen eine kleine Liebeserklärung schuldig ist. Ihre Figuren fassen sich sauber an, sie sind anmutig und herb dabei, und sie springen mit Haut und Haaren aus dem Papier. In dem Delikatessenladen, den uns Ihre Brotherren wöchentlich oder monatlich aufsperren, sind Sie so ziemlich die einzige Delikatesse."
 Heute wirken diese Blätter als die perfekten Verkörperungen eines Zeitstils...

Was sie an anderen Frauen faszinierte, der "Vamp", die "Garçonne", die "Femme fatale", gesteht sie sich selbst allerdings nicht zu. Sie selbst bleibt unauffällig, sie gehört nicht dazu, sie ist kein weiblicher Dandy, auch wenn sie gern so à la mode ausgesehen hätte. Sie bleibt die diskrete Beobachterin in Staubmantel und Baskenmütze:

Selbstporträts von 1926 und 1932, Fotografie ca. 1935

"Eigentlich habe ich mir immer nur gewünscht: nur ein Paar Augen sein, ungesehen durch die Welt gehen, nur die anderen sehen."
Für Jeanne ist die Zugehörigkeit zur Berliner Szene nichts als ein ernsthafter Broterwerb, betrieben mit graphischem Raffinement und sensibler Beobachtungsgabe. Doch die Zeit der Illustrierten-Aufträge ist dann 1933 schlagartig vorbei ( ab 1927 hat sie zum Beispiel ein Riesenpaket mit Arbeiten nach München geschickt für den "Simplicissimus" und für jedes farbige Blatt 300 Mark erhalten ).

Mackensen (1939-42)
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Durch die Naziherrschaft kommt es zur zweiten biografischen Katastrophe in ihrem Leben.

Sie fühlt sich zum Rückzug gezwungen, stellt ihre Mitarbeit in den Zeitschriften von sich aus ein, denn sie will sich nicht anpassen, und gerät so wieder einmal in finanzielle Nöte. In der Abgeschiedenheit ihres Ateliers im Hinterhaus, ihrer "Malhölle" zeichnet sie Menschen von nebenan und schafft eine Porträtgalerie der frühen dreißiger Jahre, malt und modelliert Köpfe und Gestalten, kubistisch verfremdet, inspiriert von Pablo Picasso, entwickelt eine für sie völlig neue Bildsprache. Mit dem Kubismus gelangt sie zu einer expressiven und aggressiven Malweise, in der sie sich in Bildern wie "Würgeengel" mit den Nationalsozialisten auseinandersetzt. Die Gegenständlichkeit hat für sie ihre Überzeugungskraft verloren und diskreditiert, weil von der faschistischen Kunst missbraucht. "Sie hat sozusagen bewusst 'entartet' gemalt", wird das später die Kunsthistorikerin Annelie Lütgens sagen.

Ein solches kubo-expressionistisches ist "Mackensen": Es bezieht sich auf den gleichnamigen Generalfeldmarschall des Ersten Weltkriegs und Parteigänger Hitlers.
"Mit Beginn der Hitlerzeit, Verbot oder Gleichschaltung aller Zeitschriften, für die ich gearbeitet hatte. Ende meiner ‚realistischen‘ Periode, Übergang zu einer den Gegenstand aufbrechenden aggressiven Malweise (als Kontrast zum offiziellen Kunstbetrieb). Zweiter Weltkrieg: Keine Ölfarbe, keine Leinwand – alle Bilder aus dieser Zeit sind mit Plakattempera auf Pappe gemalt. Lebensmittelkarten, Stempeln, Zwangsarbeit, Bombenangriffe, Zwangsausbildung zum 'Feuerwehrmann': Brandwache schieben nach Entwarnung bis 3 Uhr früh."So beschreibt sie lakonisch, wie es ihre Art ist, jene Zeit in ihrem "Äußerlichen Kunstbericht".
Junger Mann mit Schal
(Portrait Max Delbrück um 1935-40)
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Sie zieht zwecks Geldverdienens mit einem Bücherkarren durch die Nebenstraßen des Kurfürstendamms, voll mit antiquarischen Werken, Zeitschriften und Originalgrafiken, verteilt auch Flugblätter ( und entgeht der Gestapo, anders als der Bildhauer - Freund Hans Uhlmann ) besucht aber auch jahrelang einen privaten Zeichenkurs in der Hardenbergstraße und zeichnet diagnostisch unerbittlich ihre Mitschüler. Das Wohnatelier bewohnt sie allein, nachdem die Schwester Mimi 1934 für ihre Firma nach Teheran geht. Sie taucht immer mehr unter...
"Mein Ku-Damm 29 steht noch […]. Die Überreste von Jeanne sitzen in den Überresten von Berlin, haben viel, viel – endlos viel Grauenhaftes und Schreckliches überstanden."
Das schreibt sie nach Kriegsende ihrem Freund seit 1935, dem 1937 in die USA emigrierten Physiker Max Delbrück. Er hat Bilder und Aquarelle von ihr mit ins Exil genommen und unterstützt sie nun mit CARE-Paketen, die neben Lebensmitteln auch Dinge des künstlerischen Bedarfs enthalten. Aus der Schnur dieser Pakete, aus Draht und später Glanzpapier von Bonbons entstehen ihre neuen Arbeiten. Der Mangel an Materialien lässt sie zur Collage greifen und sie entwickelt eine eigenwillige, spiritistische, fantastisch-skurrile Bildsprache, die eine geheimnisvolle Welt der Mystik und Magie entfaltet. Mythen, Märchen und Masken sind nun ihr Thema, mit dem sie sich intensiv auseinandersetzt. Auch plastische Arbeiten – Köpfe aus Gips - gehören zu Jeannes Nachkriegswerk.

Ein Gefühl von Ruhe mit einer kräftigen Prise Melancholie strahlen diese Werke der Nachkriegsjahre aus. Bei den ersten Ausstellungen moderner Kunst, unter anderem der ersten Deutschen Kunstausstellung im Berliner Zeughaus und in Dresden sowie in der Galerie Gerd Rosen, ist die Künstlerin vertreten. Gemeinsam mit jungen Maler- und Dichterkollegen ist sie 1949/50 im literarischen Kabarett "Die Badewanne", später der "Quallenpeitsche" aktiv und gehört zum ersten Mal in ihrem Leben einem Künstlerkreis an.

Jeanne Mammen ist nie vergessen, wird aber auch nicht wirklich bundesrepublikweit berühmt. Das liegt daran, dass nur die zeitgenössische abstrakte Kunst als Erbin der verfemten Vorkriegsmoderne im westlichen Teil Deutschlands anerkannt und ausschließlich bei den ersten beiden Documenta-Ausstellungen  von 1955 und 1959 gezeigt wird.
"Erbschaft der Verfemten hätte aber auch heißen können, sich jener Generation von Künstlerinnen und Künstlern zu erinnern, die in den Zwanziger Jahren mit ihren Arbeiten eine politische Verantwortung wahrgenommen haben und in deren Werk die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit als Bruchlinien sichtbar sind", so äußert sich noch einmal die Kunsthistorikerin Annelie Lütgens.
"Photogene Monarchen" (1967)
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Zu Jeanne Mammens 70. Geburtstag veranstaltet die Akademie der Künste 1960 eine Retrospektive. Sie lebt weiter in ihrem kleinen Wohnatelier, voller Wände mit Werken aus all ihren Schaffensperioden, betrachtet den "Karneval des Lebens" mit all seinen Leidenschaften, bezieht sich aber auch bei ihren Werken auf zeitkritische Themen, so zum Beispiel beim großformatigen Bild "Photogene Monarchen" zum Schah-Besuch 1967 in Berlin. Insgesamt weist ihr Spätwerk jedoch einen stark introvertierten Zug auf.

Erst in den 1970er Jahren, als man sich wieder der Arbeiten aus der Zeit der Weimarer Republik erinnert und sie zu schätzen beginnt, erfährt auch Jeanne eine erneute Würdigung. Zu ihrem 80. Geburtstag 1970 erhält sie dann eine Einzelausstellung im Berliner Kunstverein. Sie schreibt an den Freund Delbrück:
"Es ging alles glatt, Reden wurden gehalten, Blumen überreicht, à l’étonnement général Dein Telegramm verlesen, Blitzlichter flackerten, Flossen wurden gequetscht. (…) Siehst Du, wenn Du 80 wirst, kriegst Du auch so was Feines – man muss nur Geduld haben."
1974/75
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1973 reist sie noch nach Avignon zur großen Picasso - Ausstellung, 1975 noch einmal nach Hamburg. Doch ihre Gesundheit wird immer fragiler, sie muss ihre künstlerischen Aktivitäten einstellen: "Ich weiß nur nicht, wie ich mit diesem so stupid gewordenen Leben fertig werde, hoffentlich wird es bald mit mir fertig."

Am 22. April 1976 ist es so weit: Jeanne Mammen stirbt in Berlin. Ihre Urne wird im Kolumbarium, des III. Städtischen Friedhof Stubenrauchstraße in Berlin-Friedenau aufbewahrt.

Noch im gleichen Jahr gründen engste Freunde die "Jeanne - Mammen - Gesellschaft e.V." in Berlin, um ihren künstlerischen Nachlass zu bewahren und zu betreuen, 2003 werden die "Jeanne-Mammen-Stiftung" und der "Förderverein der Jeanne-Mammen-Stiftung e. V." gegründet, die das noch erhaltende Atelier, Kurfürstendamm 29, 10719 Berlin, betreut.





Mittwoch, 22. November 2017

Mittwochs mag ich immer mal wieder Geburtstagsshirts


Der Großneffe wird nun auch schon drei Jahre alt! Und natürlich wünschte sich meine Nichte von mir ein Geburtstagsshirt für ihn mit einer großen Zahl drauf:







Über unsere WhatsApp - Familiengruppe bekomme ich ja mit, welche Farben inzwischen von dem kleinen Kerl getragen werden. Und Sternenmuster begleiten den einstigen Sternengucker ja von Anfang an.

Deshalb habe ich mir diesen schwarzgrundigen Jersey ( inzwischen unbekannter Provenienz ) ohne langes Überlegen gegriffen und mit dem bewährten Schnittmuster "Ottobre creative workshop 301" ein Shirt geschneidert. Die große, sternengemusterte Drei ist mit Hilfe einer Stickdatei entstanden, die nirgendwo mehr käuflich zu erwerben ist, die ich aber immer noch gerne für solche Shirts einsetze.


Verlinkt mit dem MMi des Frollein Pfau


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