Freitag, 9. Dezember 2016

Ein neuer Preis für Raif


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Die "Liberal International" (DGLI), nach wie vor bestürzt vom Schicksal des liberalen saudischen Bloggers Raif Badawi wie so viele, hat ihm für seine Verdienste um die Pressefreiheit den "Prize for Freedom 2016" der Liberal International verliehen. Dies hatte die Jahresmitgliederversammlung vor einem Jahr einstimmig beschlossen.

Der Preis wird nicht nur Raif, sondern auch seiner Ehefrau Ensaf Haidar gemeinsam verliehen. Am 6. Dezember hat sie den Preis im Europäischen Parlament in Brüssel entgegen genommen.



Sie war die einzige christliche
Bürgermeisterin der Türkei:
Februniye Akyol.
Sie wurde ohne offizielle Begründung
aus dem Amt entfernt. 
Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch einmal daran erinnern, dass nicht nur in Saudi - Arabien die Meinungs- & Pressefreiheit sowie die Religionsfreiheit missachtet werden. Anhaltende Sorge bereitet nicht nur mir die Entwicklung in so unterschiedlichen Ländern wie Ungarn, Polen, der Türkei, Ägypten, den Philippinen, den Vereinigten Staaten, Indien, Bulgarien und Moldawien, in denen eine Art nationalistischer Populismus oft auch Hand in Hand mit religiösen Autoritarismus geht ( Jüngste Nachricht zum Umgang der Türkei mit Christen ).

Wo Rechte und die Gleichstellung nicht-religiöser Menschen bedroht sind, gibt es eine Zunahme bei der Unterdrückung der humanistischen Werte generell, und die Schwächung der Demokratie beginnt, wenn der Säkularismus zurückgedrängt wird - letztendlich eine Bedrohung für  unser aller Freiheit.

Darauf weist der diesjährige Freedom of Thought Report hin, der seit 2012 jährlich zum Tag der Menschenrechte am morgigen 10. Dezember veröffentlicht wird.

Im Vorwort zu diesem Bericht wird noch einmal auf das implizite Recht auf Freiheit von der Religion oder Weltanschauung hingewiesen, das ebenso grundlegend & dem Recht auf freie Wahl der Religion gleichwertig ist. Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit umfasst also auch die Freiheit des nicht-religiösen Denkens und nicht-religiösen Glaubens, schützt also Humanisten, Atheisten, Freidenker, so wie es Gläubige jeglicher Religion schützt. Berichte zum Stand dieses Rechts auf das Nicht- Glauben in den einzelnen Ländern können hier eingesehen werden...





Friday - Flowerday # 49/16

bietet allen, die Blumenschmuck lieben,
heute wieder ein Forum in ihrem Blog.



























Vorweihnachtliches Begrüßungskommittee in meinem Hauseingangsbereich
























Zu schön, diese zartfarbenen Rittersterne!






















So schaut es aus, von der Tür aus gesehen.























Kupferglanz gefällt mir immer noch.
























Aber Blau & Rosa entsprechen keinem derzeitigen Weihnachtsdekotrend.


Mir wärmt's das Herz.

Einen schönen dritten Adventssonntag!


Donnerstag, 8. Dezember 2016

Great Women # 83: Camille Claudel


1988/89 schaffte ein Kinofilm von Bruno Nyttens, dass die breite Öffentlichkeit mit einer längst vergessenen Künstlerin, verkörpert durch die schöne Isabel Adjani, bekannt wurde: Camille Claudel. Es war eine fulminante Wiederkehr und - ganz im Geist jener Tage weiblichen Aufbruchs - die Bildhauerin wurde zum Idol selbstbewusster, leidenschaftlicher, lebendiger Frauen, die ihren Traum leben wollen, ohne die strikten Rollenmuster, die bis dahin immer noch wirksam waren.


Heute können wir ihren 152. Geburtstag begehen - deshalb ist mein 83. Beitrag in dieser Reihe ihr gewidmet.

Camille Claudel erblickt also am 8. Dezember 1864 in Fère-en-Tardenois ( Region Hauts-de-France ) als zweites Kind des Louis-Prosper Claudel, eines Finanzbeamten, und seiner Ehefrau Louise-Athanaïse Cerveaux das Licht der Welt. Im Jahr zuvor hat die Mutter bereits einen Sohn geboren, der wenige Tage nach der Geburt stirbt. Die Mutter ist enttäuscht, dass dieser Säugling nur ein Mädchen ist, weint zuerst heftig und spricht dann nie mehr darüber. ( Später wird als Grund für ihr schwieriges Verhältnis zur Tochter angesehen, dass sie selbst als Vierjährige die Mutter verloren hat. )

Camille rechts mit der Puppe ( ca. 1870 )
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Zwei Jahre nach Camille kommt die Schwester Louise zur Welt und weitere zwei Jahre später Paul, der später ein bekannter Dichter sein wird. Die wichtigsten Jahre ihrer Kindheit verbringt Camille in Villeneuve-sur-Fere in der Champagne, wo die Claudels  als "bessere Leute" gelten ( was sie ebenso sehen ). Später wird Vater Claudel nach Bar-le-Duc versetzt, wo Camille die öffentliche Schule besucht, bis die Kinder der Familie einen Hauslehrer erhalten. 
Vierzehnjährig
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Schon als Zwölfjährige äußert sie den Wunsch, Bildhauerin zu werden, was der Vater durchaus unterstützt. Bestätigt wird er durch die Bildhauer Paul Dubois und Alfred Boucher die im nächsten Wohnort der Familie, Nogent-sur-Seine, tätig sind und die Werke des Mädchens positiv würdigen.

1880
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Camilles Vater richtet der Familie eine Wohnung am Montparnasse ein, und die Tochter kann mit 17 Jahren in Paris die "Académie Colarossi" ( da die Kunstakademie Frauen verschlossen ist ) besuchen und sich mit anderen Frauen bald ein Atelier teilen.

Zur Korrektur taucht wöchentlich im Atelier Alfred Boucher auf. Als dieser aber 1883 den "Prix de Rome" gewinnt, bittet er seinen Freund Auguste Rodin, nach seinen Schülerinnen zu schauen. 

Camille ist längst keine Anfängerin mehr, als Rodin die Aufgabe als Lehrer im Atelier der Bildhauerinnen übernimmt, und der 24 Jahre Ältere ein sehr bekannter, heftig umstrittener Bildhauer, der wie kein anderer die Vorstellungen von der Bildhauerei seiner Zeit beeinflussen und verändern wird. Ihn umgibt außerdem immer ein Hauch von Skandal, da er seine öffentlichen Denkmalsaufträge nie in der von ihm erwarteten Ausführung erledigt und zudem Aktdarstellungen von unverhüllt erotischer Ausstrahlung anfertigt.

Von seiner jungen Schülerin, an deren außergewöhnlichem Talent er keinen Zweifel hegt, ist er fasziniert und spricht von ihr als "diese geniale Frau (das Wort ist nicht zu stark)". 1884 modelliert er eine erste Porträtbüste von Camille.

1887
mit Jessie Lipscomp rechts
Im Jahre 1885 stellt Camille zum ersten Mal ihre Werke aus. Es ist auch das Jahr, in dem sie von Rodins Angebot Gebrauch macht, zusammen mit  Jessie Lipscomb in seinem Atelier als Werkstattgehilfinnen zu arbeiten. Sie hilft, solche Stücke zu vervollständigen wie "Die Bürger von Calais" (1884-86)  und  "Das Höllentor"  (1885).

"Ein schweigsames und fleißiges junges Mädchen, das sich von allen Müßiggängern fernhält und den Ton knetet und formt", charakterisiert sie der Pariser Kunstkritiker Mathias Morhardt, der sie bei Rodin kennenlernt.

Noch lieber als mit Ton arbeitet sie in Marmor, doch dieses Material kann sie sich nur für kleine Formate leisten. Im Atelier Rodin bekommt sie hingegen großzügigere Möglichkeiten, was Material, Modelle, Anleitung anbelangt. So lässt sich vielleicht auch erklären, dass sie und Jessie akzeptieren, keine regelmäßige Bezahlung zu erhalten.

Sie zahlt auch noch einen weit höheren Preis für diese Chancen, nämlich mit der totalen, intensiven Vereinnahmung ihrer Person, ihrer Arbeitskraft und ihrer Inspiration für Rodins ureigene Projekte. Das geht so weit, dass bis heute ihr tatsächlicher Anteil an Werken Rodins nicht zu klären ist. Fakt ist allerdings, dass Camille Entwürfe in Marmor überträgt, für einzelne Figuren Hände und Füße gestaltet, Modell sitzt, und vor allem Rodins wichtigste Kritikerin ist.

Anlässlich der Pariser Kunstausstellung im Frühjahr 1888 zeichnet die Jury Camille Claudel für ihre realistische Tonfigurengruppe "Sakuntala" mit einer "mention honorable" aus. Daraufhin wird ihre Arbeit auch in allen wichtigen Kunstzeitschriften gelobt. Wegen des Erfolgs möchte die Dreiundzwanzigjährige ihre Skulptur in Carraramarmor hauen. Die Anstrengung scheut sie ebenso wenig wie die handwerkliche Herausforderung. Einen Block in den dafür erforderlichen Ausmaßen kann sie sich zwar nicht leisten, aber sie hofft, einen staatlichen Auftrag für die Ausführung der Figurengruppe zu bekommen.

Sakuntala oder Die Hingabe
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Bis dahin ist es Camille geglückt, ihre und die davon so differente Lebenswelt Rodins voneinander getrennt in einem prekären Gleichgewicht zu halten: Sie wohnt nach wie vor mit Mutter und Geschwistern in der gutbürgerlichen Umgebung des Boulevard de Port-Royal und arbeitet tagsüber im Atelier des Bildhauers. Als der ein neues mietet und Camille vorschlägt, es mitzubenutzen, gibt sie das ihre in der Rue Notre-Dame-des-Champs auf, welches sie seit jungen Jahren mit anderen Künstlerinnen geteilt hat. In der Nähe seiner neuen Werkstatt mietet Rodin 1889 auch eine alte Villa, die "Folie Lepreste de Neubourg".

Camilles Eltern und Geschwister wissen nichts von ihrem bereits sieben Jahre dauernden Liebesverhältnis mit Rodin. Sie nehmen vielmehr an, dass Rose Beuret, Mutter seines Sohnes, auch seine Ehefrau ist. 1889 laden sie das "Ehepaar" zusammen mit Camille in ihre Sommerfrische nach Villeneuve-sur-Fère ein. Eine etwas bizarre Situation, da auch Rose nichts von der Beziehung zwischen Rodin & Camille weiß.

1889
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Bald darauf reist der Bildhauer mit der Geliebten in die Pyrenäen, und ihre Eltern erfahren durch Zufall davon. Schlagartig wird ihnen bewusst, was Sache ist. Erzürnt über die Schande bricht die Mutter mit der Tochter. Noch härter trifft aber Camille, dass auch der Vater die moralische Entrüstung teilt. ( Der Skandal bleibt auch Rose Beuret nicht verborgen, und Rodin kann sie nur mit viel Mühe besänftigen. )

Camille verlässt nun das Elternhaus & zieht an den Boulevard d'Italie. Doch durch ihr Zerwürfnis mit den Eltern verliert sie ihren emotionalen und materiellen Halt. Und ihr Traum, sie könne auf Dauer das Leben einer Tochter aus gutbürgerlichem Haus mit einer Arbeit als Bildhauerin vereinbaren, hat sich, da offensichtlich nicht lebbar, in Luft aufgelöst.

Wie lange die enge Arbeits- und Lebensgemeinschaft danach noch andauert, ist nicht genau zu datieren. Es ist nicht belegt, wann Camille endgültig das gemeinsame Atelier verlässt: Ob 1890, 1892 oder erst 1893.

Dass sich die Künstlerin ihrer doppelt ungesicherten Lage schon früh bewusst gewesen ist, beweist die Tatsache, dass sie bereits im Oktober 1886 eine Art Vertrag mit Rodin aufgesetzt hat, in dem beide ihre jeweiligen Rechte und Pflichten festgelegt haben. Dazu gehört, dass der Bildhauer neben ihr keine anderen Schülerinnen aufnimmt, sich bei "einflussreichen Freunden" und Ausstellungen für sie einsetzt, mit ihr eine sechsmonatige Reise macht, die "der Beginn einer unauflösbaren Beziehung, wonach Mlle Camille meine Frau sein wird" sein soll. Beziehungen zu anderen Frauen, auch zu Modellen, haben zu unterbleiben. Camille versichert als Gegenleistung, bis in den Mai in Paris zu bleiben und Rodin viermal im Monat in ihrem Atelier zu empfangen.

Aber später wird das Verhältnis zu Rodin immer diffiziler: Der Bildhauer fühlt sich an Rose Beuret, der Gefährtin der erbärmlichen frühen Jahre gebunden, und der inzwischen Fünfzigjährige zieht auch immer mehr die ruhige Häuslichkeit der stürmischen Leidenschaft seiner jungen Geliebten vor. ( Sie selbst hat in jenen Tagen eine kurze Affäre mit dem Komponisten Claude Debussy. )

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"Der Vertragsbruch Rodins zerstört dieses Arrangement eines wechselseitigen Gebens und Nehmens und damit, aus der Sicht der Künstlerin, ihr Lebenskonzept," schreibt Andrea Schweers hier.

Außerdem wünscht sich Camille nun auch mehr Unabhängigkeit zur Entfaltung ihres künstlerischen Könnens: Indem sie sich nach und nach beruflich & persönlich von Rodin löst, entringt sie diesem langen, schmerzlichen Prozess tatsächlich ihre bedeutendsten Werke. Ihrer Arbeit tut der emanzipatorische Schritt also gut: 1892 kann sie die schon vier Jahre vorher entstandene Büste ihres ehemaligen Geliebten endlich im Pariser Salon ausstellen.

1893 reüssiert sie dann an gleicher Stelle mit dem "Walzer", der extrem ins Asymmetrische gezogenen, von wehenden Stoffen umhüllten Darstellung eines tanzenden Paares. Gleichzeitig zeigt sie die Skulptur der "Clotho", ein halblebensgroßesr Akt einer ausgemergelten alten Frau.

Diese Arbeiten - wie auch die spätere Dreiergruppe "Das reife Alter" - gehen weit über die naturalistische Darstellungsweise Rodins hinaus und zeigen viel von Camilles Auseinandersetzung mit den großen Fragen des menschlichen Daseins – Erotik, Liebe, Alter, Verfall und Tod.

"Clotho" (1893), "Das reife Alter" ( zweite Fassung von 1898 ), "Der Walzer" (1893)



Noch eine gewisse Zeit hält Rodin den Kontakt mit Camille per Brief aufrecht & vermittelt ihr Beziehungen zu Kritikern und Privatkunden. Doch 1898 bricht sie alle Brücken zu ihm ab, auch, weil die berufliche Nähe zu ihm ihr mehr schadet als nützt. Kunstkritiker loben sie zumeist, kommen aber nie ohne den Verweis auf ihren "Lehrer" aus, stempeln sie als exquisite Schülerin ab, die die Ideen des Meisters mit dem "Sinn für das Dekorative" ergänzt oder unterstellen, sie profitiere von seinen Ideen. Im Gegensatz zu Rodin lässt sich das Lob der Kunstkritik  auch nicht in materielle Erfolge ummünzen: In Aussicht gestellte Aufträge werden zurückgenommen. Alsbald vermutet Camille dahinter Intrigen des einstigen Partners.

La vague oder Les baigneuses ( 1893-1895 )
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Finanziell und emotional steckt sie in jener Zeit in einer tiefen Krise: 1898 muss sie den Boulevard d’Italie verlassen und erst in die Rue de Turenne 63, dann 1899 an den Quai Bourbon 19 in eine düstere, heruntergekommene und vollgestopfte Zwei-Zimmer-Wohnung ziehen ( wo sie bis 1913 bleiben wird ). Auch äußerlich verändert sie sich stark. Zusätzlich setzt ihr zu, dass ihre "Clotho", die Rodin mit einer Gruppe von Künstlern gekauft hat, um sie einem Museum zu übereignen, ( bis heute ungeklärt ) in seinem Besitz verschwindet und als verschollen gilt.

Um 1900 wird Rodin der international berühmte und gefeierte Staatskünstler, während Camille immer wieder Ablehnungen bei öffentlichen Ausschreibungen erfährt. Ein Glück in jener Zeit ist die Begegnung mit Eugène Blot, einem Kunsthändler, der einige ihrer Arbeiten in höherer Auflage in Bronze gießen lässt. Finanzielle Sorgen bedrängen sie aber immer mehr. Und darunter leidet auch die Qualität ihrer Kunst und sie verlegt sich auf einen eher traditionellen, klassizistischen Stil oder produziert dekorative Kleinplastik, die sie besser zu verkaufen hofft.

1905
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Um 1905 werden Symptome einer psychischen Erkrankung immer deutlicher. Von da an zerstört sie systematisch jeden Sommer einen Großteil ihrer Werke. Ihr Bruder und zwei befreundete Ehepaare, mit denen sie eine Reise in die Pyrenäen macht, finden ihren Zustand besorgniserregend.

Henry Asselin, ein Journalist, der sie in ihrem Atelier mehrfach aufsucht, schreibt über sie: "Das Leben hatte sie gezeichnet, gnadenlos entstellt. Die extreme Vernachlässigung ihrer Kleidung und ihres Auftretens, das völlige Fehlen von Eitelkeit, ein matter, welker Teint, vorzeitige Falten, unterstrichen eine Art von physischem Verfall…"

Sie wird immer misstrauischer, und ihr Verfolgungswahn spitzt sich immer mehr auf den ehemaligen Geliebten zu, beschuldigt ihn des Plagiats und einer Verschwörung. Sie macht sich durch unflätige Briefe an die Behörden & private Käufern immer unbeliebter und lebt in dem Wahn, man wolle sie vergiften.

1929/30
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Der Vater, Camilles letzter heimlicher Unterstützer & Halt, stirbt am 2. März 1913. Doch die Nachricht erreicht sie nicht und sie fehlt daher auf der Beerdigung. Ihre Mutter und ihr Bruder Paul Claudel lassen sie eine Woche danach gegen ihren Willen und Widerstand in eine psychiatrische Anstalt in Neuilly-sur-Marne bringen.

Später kommt sie in eine Einrichtung in der Nähe von Avignon. Noch 30 Jahre lebt sie dort, ohne je wieder zu zeichnen oder zu modellieren. Einzig ihr Bruder Paul, von Schuldgefühlen geplagt, besucht sie dort.

"Die Abneigung, mit der die Mutter der erfolgreichen, emanzipierten Tochter begegnete, und die genante Scheu, die der berühmte, so honorige Bruder Paul Claudel wie einen Sargdeckel über ihre Existenz stülpte, bedrücken zutiefst. Auf ihre verzweifelten Hilferufe antwortet niemand. Auch der Brief an den Bruder bleibt unbeantwortet: 'Was mich betrifft, so bin ich über den Fortgang meines Lebens hier so verzweifelt, dass ich nicht mehr ein menschliches Wesen bin. Ich habe nicht all das getan, was ich getan habe, um namenlos in einem Irrenhaus zu enden, ich habe Besseres verdient.'", zitiert der Kunsthistoriker Werner Spies 2008 hier. Paul Claudel also, Mitglied der Académie française und mit dem Großkreuz der Ehrenlegion dekorierter Vorzeigeautor, lässt sich nicht berühren...

Inschrift: Als Hommage
für die Werke  Camille Claudels, Bildhauerin,
verstorben auf diesem Gelände.




Camille stirbt schließlich am 19. Oktober 1943 in Montdevergues (Département Vaucluse) mit 79 Jahren an einem Schlaganfall als Folge der kriegsbedingten schlechten Versorgung und wird anonym auf dem Friedhof der Anstalt beerdigt. Kein Grabstein erinnerte lange, lange an die begabte Bildhauerin, kein persönlicher Nachlass.

Es hat auch lange gedauert, bis Camille Claudel in der Kunstgeschichtsschreibung den Platz bekommen hat, der ihr kraft ihrer einmaligen Werke zusteht. Eine erste Ausstellung, 1951 im Musée Rodin, blieb, im Unterschied zu einer Retrospektive im Jahre 1984, noch ohne jegliche Resonanz. Der Film hat dann noch mehr zur Publizität beigetragen. Und sicherlich auch, dass sich die Einstellungen derart gewandelt haben, dass man eine Künstlerin, die die Konventionen ihrer Zeit gesprengt hat, grenzenlos bewundert...






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