Sonntag, 26. Februar 2017

Meine 8. Kalenderwoche 2017


Am Dienstagnachmittag haben wir auf dem Bahnhof Faschingsflüchtlinge begrüßen können. "Shoot the shooter" hieß es am Mittwochmorgen - endlich kann sich die Enkelin gegen die Fotoattacken der Oma sachgerecht wehren!

Welch ein Mistwetter! Da kann man nur drinnen spielen...

An Weiberfastnacht hatte der Himmel erst einmal Erbarmen mit den Narren: Der Straßenkarneval konnte noch im Trockenen eröffnet werden.

Doch kaum hatte ich meine verkleideten großen & kleinen Gäste zum Feiern weggebracht, fing der Regen an.
























Nach stürmischer, folgenreicher Nacht zeigte sich der Himmel unschuldig blau und wärmte beim Frühstück zu sechst meinen Rücken.
























Da glitzerten auch die Schmetterlingsflügel so schön, die zum Kostüm des Tages gehörten.























Nachmittags dann ein Stündchen Zwischenaufenthalt bei Oma & Opa, mit Karnevalsmusik und Kamelle - Werfen, bevor es zum nächsten Besuch weiter ging.






















Da zog er nun so ganz, so ganz allein am Karnevalssamstag zum Sternmarsch unseres Stammdeschs, der Herr K. Und als ich mich beim Nachbarn, dem Floristen, "trösten" wollte, hat der auch schon zu. Karnevalszeit in Kölle! Da ist nichts wie sonst...

Stattdessen hörte ich mir anschließend im Radio die Aufnahme der diesjährigen "Stunksitzung" an. Hier eine Lieblingsnummer:



Durch meine Linkparty rund ums Thema "Karneval" habe ich wieder von einigen regionalen Besonderheiten erfahren, aber auch, dass auch bei anderen Bloggerinnen in diesem Jahr nicht so gefeiert werden kann, wie es gewöhnlicherweise der Fall ist.

Ich fühle mich also überhaupt nicht allein und muss nicht getröstet werden. Zwischendurch habe ich die Stille  - wie zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Post schrieb - regelrecht genossen. Meine letzten Tage waren trubelig genug, und ein ganz anderer Takt wurde durch die Anwesenheit der Kinder angeschlagen. Dann ist am Samstagmorgen noch meine Nachbarin, die Friseurin kollabiert, als ich zu ihr wollte - der Schreck saß mir eine gewisse Zeit in den Knochen. Letztendlich kann ich nur froh sein, dass ich mich entschieden habe, in diesem Jahr nicht mitzufeiern - ich hätte es nicht gepackt.

Allen, die es heute krachen lassen, und besonders meinen Stammdeschfreunden, unterwegs mit der Nummer 41 bei den Kölner Schull- und Veedelszöch: Dreimool




Verlinkt mit Andrea/Karminrots Samstagsplausch 

Samstag, 25. Februar 2017

Herzlichen Glückwunsch


zum 175. Geburtstag,

Source

lieber Karl May!

Viel geliebt,
reichlich umstritten,
hast du mir als Kind 
unendlich viele glückliche Lesestunden beschert &
mir möglich gemacht "in die Welt hinauszugehen",
was mir realiter nicht möglich war.

Du hast mein Herz geöffnet für fremde Kulturen,
Völker, Länder.
Und als Erwachsene bin ich auf deinen Spuren
durch die Schluchten des Balkans 
und das Land der Skipetaren 
gereist.

Source

Durch dich habe ich schon damals
von Kurdistan, von den Jesiden erfahren,
der ganzen Vielfalt des Orients,
dem Zauber der Wüste
( der mich - nach eigenem Erleben -  bis heute umfängt ).

Durch dich ist meine große Liebe zu den
"Indianern" geweckt worden,
deren grässliche Lage in Amerika
mich bis heute empört.

Auch wenn dein Werk 
von etlichen Ambivalenzen & vom Zeitgeist geprägt ist -
der Einfluss auf mein Weltbild
war ein positiver.
Dafür bin ich dankbar.




Freitag, 24. Februar 2017

Wohin soll das führen?


"Wenn man sich die Geschichte anschaut, 
dann haben Diktatoren 
als erstes die Presse mundtot gemacht.
John McCain, republikanische Senator 
am vergangenen Sonntag


Und wenn man dann noch liest, welches Urteil sein ehemaliger Ghostwriter Tony Schwartz ( der 1987 mit ihm "The Art of the Deal" geschrieben hat ) über den Twittermann fällt und schon im November letzten Jahres kundgetan hat, dann fängt man an, sich zu wünschen, dass man keine Enkelkinder hätte, den deren Zukunft mag man sich gar nicht vorstellen...
"Heute beginnen die Leute wirklich zu verstehen, dass er ein unberechenbarer Mann mit sehr geringer Selbstbeherrschung ist." Und weiter: "Das ist der gefährlichste Mensch, den ich getroffen habe. Ich sage nicht, dass er der gefährlichste Mensch ist, der je gelebt hat", sagte er. "Aber er ist der gefährlichste Mensch, den ich über einen langen Zeitraum getroffen habe, aufgrund seines Fehlens eines Gewissens." ( Quelle hier )
Das was dieser amerikanische Präsident da im Moment abfackelt, ist ja - auch hierzulande noch im Bewusstsein? - kein nigelnagelneues Konzept. In Deutschland hat das ein Herr H. mit dem Begriff "Lügenpresse" schon mit schlimmsten Folgen angewandt. Der Begriff der „Lügenpresse“ ist immer dann im Gebrauch, wenn seriöse Medien demontiert werden sollen. Sich darauf einzulassen, ist schlichtweg ein Fehler.

Ein Herr E. wendet seit dem letzten Sommer ein ähnliches Konzept in seinem Kampf gegen die freie Meinung in seinem Land an - nur heißt bei ihm  alles "Terroristen"- und er verhaftet mit Hilfe dieses Begriffs, wenn er nur mag ( pocht im Gegenzug aber auf sein Recht der freien Meinungsäußerung, um bei uns Wahlkampf zu machen für die Liquidation der Meinungs- & Versammlungsfreiheit und sämtlicher Bürgerrechte auf unabsehbare Zeit in der Türkei ).

Parallel zum Herrn H. in D. hat in den 1930er Jahren ein gewisser Herr S. in der damaligen Sowjetunion ein ähnliches Schreckensregiment geführt. Julian Barnes, der verehrte englische Schriftsteller, hat gerade ein Buch über diese Zeit veröffentlicht, das von dem ebenso verehrten Komponisten Dmitri Schostakowitsch handelt. In einem Interview mit der "Welt" äußert er sich so:
"Ein Aspekt sind zum Beispiel die Grenzen der Ironie. Schostakowitsch hat sich immer mit Ironie verteidigt, aber was nützt dir Ironie, wenn dein eigener Sohn in der Schule gezwungen wird, dich vor seinen Mitschülern zu denunzieren? Als Donald Trump noch Präsidentschaftskandidat war, hat es Spaß gemacht, sich über ihn lustig zu machen. Aber jetzt, wo er tatsächlich Präsident ist, wirken Spott und Ironie ziemlich schnell wie ein billiger Versuch, der Tatsache zu entkommen, dass Trump über die mächtigste Nation der Erde bestimmt."
Aber auch die Strategie, Lügen ganz sachlich zu widerlegen und zu entlarven, wie es in puncto Herrn T. inzwischen unablässig geschieht, verfehlt offensichtlich das Ziel, den Anhängern des Twittermanns die Wahrheit immer wieder vor Augen zu führen: Da ist einfach nur Trotz & Ignoranz, vollkommene Realitätsverweigerung. Oder möchte man die Welt in das "noch tiefere Chaos" stürzen sehen, von dem dieser Präsidenteneinflüsterer B. so schwärmt?

Wie das nach der Herrschaft des Herrn H. aussah, der es ebenfalls - wie der Twitler zuletzt wieder am vergangenen Samstag -  liebte vom "Sumpf trocken legen" zu reden, dokumentiert für Köln dann dieses Foto:

Source










Das kann doch im Ernst kein Mensch, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, wollen? Aber der Wunsch, nach jemandem, der einem vorgibt, was man wahrzunehmen, zu denken, zu fühlen & zu sagen hat, ohne sich die Folgen für sich persönlich und seine Mitmenschen vor Augen zu führen, scheint ja inzwischen weltweit wieder sehr groß zu sein...

Und damit ist mir auch wieder ein Schlenker zu meinem üblichen Freitagsthema, nämlich dem Blogger Raif Badawi, möglich:

Der erhält nämlich, wie am vergangenen Samstag bekannt wurde, den diesjährigen Monismanien - Preis der Universität Uppsala ( Schweden ), der seit 1975 vergeben wird als "Auszeichnung für das Engagement in humanitären, zivilen oder staatlichen (Krisen-)Situationen zum Erhalt entsprechender Werte oder Abwendung von Schaden". Berühmte Preisträger waren u.a. Alva Myrdal, Lech Wałęsa, Taslima Nasreen, Yaşar Kemal, Desmond Tutu oder Václav Havel.

Wieso dieser komische Name des Preises?

Der Preis wurde einst vom im Vorjahr verstorbenen schwedischen Filmregisseur Kenne Fant gestiftet. Der hatte in einem Film mit dem Titel "Monismanien 1995" einen Ein-Parteien-Staat porträtiert, in dem jegliche freie Meinungsäußerung unterdrückt wird. Fant würdigte mit diesem Preis besonders die Leistung des schwedischen Journalisten Torgny Segerstedt, der schon früh in den 1930er Jahren den Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland kommentiert hatte, vor den Gefahren der Verharmlosung ihrer Politik gewarnt und ihre Verbrechen während des Krieges dokumentiert hat. Der Name des fiktiven Landes geht übrigens auf die Erzählung "Pomperipossa in Monismanien" von Astrid Lindgren zurück.


Die Beschäftigung mit denen, die zur Zeit die Politsphäre durch ihr anmaßendes Auftreten bestimmen, bewirkt, wie es der Chefredakteur der SZ heute auch beschrieb, einen "Gummibären-Effekt: Man möchte eigentlich mal einen oder zwei Trump-freie Tage haben, kann aber andererseits gar nicht recht davon lassen, immer wieder zu hören, zu sehen oder zu lesen, was er nun wieder getrieben hat, treibt oder noch treiben möchte."

Damit es nicht so weit kommt zum Schluss - quasi als Abwehrzauber - noch etwas von der Schönheit schostakowitscher Musik:


Es handelt sich um sein Opus 87 Prelude & Fugue No.1 C major. Über Barnes' Schostakowitsch - Buch "Der Lärm der Zeit" werde ich sicher demnächst berichten.








Nachtrag:
Gerade erst bei Twitter entdeckt: Der saudische Prinz Turki Al-Faisal hat eine Einladung an Tim Sebastian von der Deutschen Welle während eines Interviews am Mittwoch auf "DW Conflict Zone" ausgesprochen, selbst saudische Gefängnisse zu besuchen. Er sagte, dass er auch für Sebastians Vorschlag offen sei, dass das UN-Komitee gegen Folter das Gefängnis, in dem der Blogger untergebracht sei, besuchen könne. 
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