Montag, 15. Mai 2017

Eye Poetry { 4/17 }


"Hin und wieder hat das Schicksal 
Ähnlichkeit mit einem örtlichen Sandsturm, 
der unablässig die Richtung wechselt. 
Sobald du deine Laufrichtung änderst, um ihm auszuweichen, 
ändert auch der Sturm seine Richtung, um dir zu folgen. [...]"
Haruki Murakami in "Kafka am Strand")

So beginnt der erste Teil des Zitates, das Andrea für die vierte Ausgabe ihrer Eye Poetry für alle Interessierten ausgewählt hat. 

Für mich und mein persönliches Leben von kleinauf gibt es diese Sandstürme eigentümlicherweise ganz besonders im so genannten Wonnemonat - in positiver wie in negativer Hinsicht. Da passt Andreas Wahl für den Mai besonders gut.

Hinterher war wirklich nichts mehr, wie es vorher war. So wie es Murakami im zweiten Teil des von Andrea gewählten Ausschnitts aus dem bekannten "Kafka am Strand" formuliert hat:
"Und wenn der Sandsturm vorüber ist, wirst du kaum begreifen können, wie du ihn durchquert und überlebt hast. Du wirst auch nicht sicher sein, ob er wirklich vorüber ist. Nur eins ist sicher. Derjenige, der aus dem Sandsturm kommt, ist nicht mehr derjenige, der durch ihn hindurchgegangen ist. Darin liegt der Sinn eines Sandsturms."
Ich muss allerdings die Aussage nach so vielen Sandstürmen, nach so viel Lebenserfahrung, wie man sie in fünfundsechzig Lebensjahren eben sammeln kann, insofern relativieren, als die Sandstürme einem nicht mehr so zuzusetzen vermögen, je mehr man von ihnen schon überlebt & bewältigt hat. Nach jeder Attacke, jeder gravierenden Veränderung, jedem Verlust eines Menschen wächst die Gewissheit, dass man all das zu überstehen vermag - bis auf den "Sandsturm", der einen letztendlich für immer verwehen wird.




Sandsturm assoziiere ich - für mich ganz natürlich, seit ich die Wüste vor sechsunddreißig Jahren lieben lernte - mit ihr.

Einen Sandsturm einer ganz anderen, nicht sichtbaren Art, habe ich in meinem Lieblingsfilm "Himmel über der Wüste" von Bernardo Bertolucci miterfahren, als sich die Protagonistin nach dem Tod ihres Ehemannes ganz & gar der Wüste ergibt. Bis heute fasziniert mich die Vieldeutigkeit dieses Filmes immer wieder.






Ein "Schlüsselbild" - Standfoto aus dem Film - habe ich deshalb für meine Fotomontagen verwendet und sie über die Versatzstücke meiner Erinnerungen gelegt .



















Diese digitalen "Sandstürme" überlagern die Bilder der Menschen, die einem einst sehr, sehr nahe waren, die man geliebt hat ( oder immer noch liebt ). Und dann verwandeln sich die Sandstürme, wie ich es so gerne ausdrücke, zum goldenen Licht der Erinnerung. Funktioniert allerdings nicht immer, wie mir der gestrige Tag gezeigt hat...


Kommentare:

  1. Liebe Astrid,
    ich denke so oft, vor uns Menschen müsste man den Hut ziehen. Was wir in der Lage sind, aufrecht stehend durchzuhalten, ist unglaublich. Weil wir es müssen, können wir es auch. Bewusstsein ist Himmel und Hölle zugleich.

    Deine Bilder sind sehr schön und interessant gestaltet!
    Liebe Grüße
    Gabi

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  2. unser leben ist wie ein sturm...mit oder ohne sand...geht schnell vorüber...und hinterlässt fast keine spuren...bises

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  3. Liebe Astrid, was für eine bewegende Sicht auf die Stürme deines Lebens und auf die wunderbare kreative Umsetzung, die Dir gelungen ist! Spannend, dass Du die Wüste selber schon erleben und lieben lernen durftest, das schafft wieder die Möglichkeit einer ganz anderen Herangehensweise.
    Lieben Dank, dass Du wieder dabei bist!
    Herzliche Grüße
    Andrea

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  4. Dann verwandeln sich die Sandstürme zum goldenen Licht der Erinnerung. Was für eine Poesie am frühen Morgen, liebe Astrid. Wunderschön! Schade, dass es gestern wohl nicht so funktioniert hat. Drück' Dich lieb, Nicole

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    1. ... da schließe ich mich an...schön...Liebe Grüße, Taija

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  5. Tolle Überlagerungen und Erinnerungen. Und auch diese sind ja vielschichtig und wecken immer unterschiedliche Gefühle hervor. Ich mag deinen Beitrag! Sehr!
    LG. Susanne

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  6. Dieser Gedankenanstoß mit den bereits überstandenen Sandstürmen und dem finalen letzten Sandsturm gibt mir einen Impuls - zum Nachdenken. Danke dafür!
    LG Marita

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  7. ich bin ganz hingerissen von deinen poetischen bildern! dieses goldene licht der wüstenlandschaft ist so wunderbar gewählt - wie eine zarte decke, die schmerzen und trauer überlagert.
    liebe grüße
    mano

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    1. Deine letzte Aussage - das ist auch EINE der Botschaften aus dem Film für mich.
      GLG

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  8. Wunderbare Fotomontagen und Gedanken!
    Liebe Grüße
    Susi

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  9. Spuren im Sand verweht der Sturm, Spuren im Herzen bleiben für immer. Aber wenn man etwas zum festhalten hat übersteht man die Stürme besser.
    So wie deine Montagen liebevoll ineinander fliessen.
    L G Pia

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  10. So ein schöner Post liebe Astrid. Er hat mich total berührt und das obwohl ich Murakamis Kafka am Strand und die Passage mit dem Sandsturm immer noch sehr präsent habe. Deinen Worten, und dem relativieren der vorübergehenden Sandstürmen gebe ich absolut Recht, und das, obwohl ich noch nicht so viel Lebenserfahrung habe wie du.
    Ganz liebe Grüsse zu dir.
    Nica

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  11. Die Umsetung in deinen Bilder ist gleichsam zart und krafitg, fast schon hart, und doch so pastellig sanft. Deine Bilder spiegeln für mich den Text prima!

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  12. Liebe Astrid, du hast Recht. Ich bin momentan auch gerade in einem Sandsturm. Falls das wirklich passiert, was ich befürchte, dann ist das sehr traurig, aber ich weiß auch, dass ich hinterher noch da bin! Vorteil des Alters...
    Grüßle
    Ursel

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  13. Sanft, eindrucksvoll, aussagekräftig und regt zum nachdenken an.
    Einfach schön !
    Liebe Grüße an dich

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  14. Sehr berührend deine Collagen liebe Astrid! ♥ Ich drück dich mal...
    Liebste Grüße
    Christel

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  15. Liebe Astrid,
    über diesen Post muss ich nachdenken.
    Sehr einfühlsam geschrieben.
    Einen sonnigen Wochenanfang wünscht dir
    Irmi

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  16. ...die goldenen Erinnerungen behalten, liebe Astrid,
    damit sie auch durch den nächsten Sandsturm tragen...wie tröstlich und schön,

    liebe Grüße Birgitt

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  17. Ein sehr beeindruckender Post. Mir fehlen da die richtigen Worte. Es regt sehr zum Nachdenken an. Vielen Dank dafür, und ich hoffe es geht wieder bergauf bei Dir. Herzlichen Gruß Sylvia

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  18. schön und sehr anrührend, Deine Gedanken und bildet zum Zitat.
    Man erkennt Dich sofort auf jedem der Bilder. Das finde ich lustig.
    Lieben Lisagruß!

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    1. Das ist wirklich lustig, denn das bin ich - mit einer Ausnahme nicht -. Aber Ähnlichkeiten gibt es in jeder Familie...
      GLG

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    2. Ach, wie erstaunlich- ich sehe Dich im kleinen Sitzling, im Hutkind und in der sonnenbebrillten jungen Frau. Jaja, Familie.

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  19. Deine Bilder haben mich verzaubert und die Gedanken dazu sehr zum Nachdenken angeregt.
    Ein poetischer Post, und sehr typisch (im positiven Sinne) für dich.
    Liebste Grüße,
    Monika

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  20. Liebe Astrid,
    wunderbare Interpretation und nachdrückliche Gedanken sind das. "Das goldene Licht der Erinnerung" ist sehr fein beschrieben. Deine Gedanken sind durchweg positiv. Das gefällt mir, denn ich bin auch der Meinung, dass die vielen (Sand)Stürme, die man im Laufe eines Lebens überstehen muss, nur durch eine positive Einstellung zum Leben zu überleben sind und uns ein Weiterleben möglich machen.
    Hab eine angenehme Woche und lieben Gruß
    moni

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  21. Lebensstürme - beeindruckende Umsetzung dieser Zeilen, gefällt mir sehr!
    LG Urike

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  22. Eine wunderschöne Idee: deine Erinnerungen und Sandstürme in goldene Farbe und in Übereinstimmung zu bringen, sehr einfühlsam ist dein Post.
    < aus dem Film: ein Reisender kommt vielleicht nicht wieder( oder er kommt anders zurück) Und das ist gut und tröstlich.
    Gruß zu dir
    heiDE

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  23. Das letzte Foto finde ich besonders schön, es strahlt so viel aus. Und dich hätte ich auch in dem Hutkind links vermutet .....
    Du inspirierst deine Leser immer neu.
    Liebe Grüße

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  24. Sehr berührend! Deine alten Fotos und deine Lebensweisheit über Sandstürme. Der letzte Sandsturm - ein interessanter und auch schöner Gedanke, weil es so bewegt und urgewaltig klingt.

    Veronika

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  25. Ganz ganz wunderbar, liebe Astrid!
    Liebe Grüße
    Christine

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