Donnerstag, 11. Mai 2017

Great Women # 100: Nelly Sachs


Nobelpreisträgerinnen der deutschen Sprache - die haben es meinem Eindruck nach hierzulande schwer, etwas zu werden, geachtet, bekannt zu sein. Eher krittelt man an ihnen herum, findet sie zu depressiv, zu schwer, zu wenig zugänglich. Ja, sie haben "die gekrümmte Bahn des Leidens" ( Zürcher Tagesanzeiger ) beschreiten müssen, und in ihrem Werk spiegelt sich das wieder und das ist oft sperrig. Das gilt für Elfriede Jelinek ( 2004), für Herta Müller ( 2009 ), aber erst recht für die Preisträgerin von 1966, Nelly Sachs, der mein hundertstes Frauenporträt gilt. 
Mich erstaunt diese mangelnde Aufmerksamkeit immer wieder: Zwei Jahre nach ihrem Tod bekam Heinrich Böll den Nobelpreis für Literatur  - als seine deutschen Vorgänger wurden Thomas Mann und Hermann Hesse erwähnt, von Nelly Sachs war nicht mehr die Rede.  Oder liegt das daran, dass sie Schuldgefühle hervorruft, weil ihr ganzes persönliches und literarisches Leben vom Holocaust geprägt ist?
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Nelly Sachs wird als Leonie Sachs am 10. Dezember 1891 in Schöneberg ( heute zu Berlin gehörend ) als einziges Kind in die gutbürgerlichen Verhältnisse einer assimilierten jüdischen Kaufmannsfamilie hineingeboren. Ihr Vater Georg William Sachs ist Ingenieur, Erfinder und Fabrikant von Gummi- und Guttaperchaartikeln, ihre Mutter ist die gerade zwanzigjährige Margarete Karger. Knapp ein Jahr vor der Geburt Nellys haben sie geheiratet. 

Nelly ist ein träumerisches, sensibles und kränkliches Kind, sehr bezogen auf seine Eltern, "traumgewohnt und abgewandt", wie sie es später selbst beschreibt. Sie wächst in einem großen Haus am Tiergarten auf, in deren Garten sie als Spielgefährten Reh, Ziege, Hund, von dem sehr tierliebenden Vater dem Kind geschenkt, ihr eigen nennt. Eine "Einsamkeitshölle" hat sie diese Kindheit aber auch selbst genannt, denn die Eltern überlassen sie oft der Obhut ihrer Dienstboten, die sich über die Ängste & Sorgen dieses Kindes lustig machen. Schon damals ist Nelly vom Leid der ganzen Welt berührt.

Sie ist eine gute Schülerin, die wegen ihrer schlechten Konstitution allerdings von Privatlehrern unterrichtet wird, und hat den Wunsch, Tänzerin zu werden. Erst mit zwölf Jahren wechselt sie auf eine Höhere Töchterschule, die sie 1908 mit der Mittleren Reife abschließt.

1910

In der Bibliothek des Elternhauses stehen dem Mädchen zur Lektüre die Bücher der deutschen Romantiker sowie deutsche Märchen, katholische Heiligenlegenden und die christliche Mystiker zur Verfügung. Die prägendste literarische Begegnung ist aber die mit Selma Lagerlöfs Roman "Gösta Berling", den Nelly zum 15. Geburtstag erhält.

Auf das angebliche "Paradiesgärtlein" des heranwachsenden Mädchens fällt ein Schatten, als sie sich, siebzehnjährig, verliebt und diese Liebe unerfüllt bleiben muss. Warum ihr das Zusammensein mit diesem Mann vom Vater versagt wird, wissen wir nicht wirklich. Auch der Name des Mannes sowie die näheren Umstände der Begegnung wird Nelly zeitlebens als ihr Geheimnis bewahren. Sie bleibt ihm aber offenbar bis zu seiner Ermordung durch Nationalsozialisten verbunden. ( Zum "Bräutigam" wird er erst als Toter in ihrem Gedichtzyklus "Gebete für den toten Bräutigam" von 1946. )

Nelly geht körperlich und seelisch geschwächt aus dieser Episode hervor und verbringt einige Zeit in einem Sanatorium, nachdem sie die Nahrung verweigert hat. Es ist der Arzt Richard Cassirer dort, der ihr weiterhin zum Schreiben rät. Aus der zerstörerischen Energie, die sie in diesem Konflikt zwischen Elternliebe und der Liebe zu einem Mann gegen sich selbst richtet, gewinnt sie schließlich eine produktive Kraft. So entstehen Gedichte, Puppenspiele und Prosatexte. Ihre frühen Texte sind eher weltfremd, von christlichen und mittelalterlichen Motiven geprägt, ohne historische Bezüge, die Lyrik impressionistisch. ( Dieses epigonal-romantisierende Frühwerk wird auf Wunsch von Nelly Sachs selbst später nicht im Gesamtwerk veröffentlicht werden. )

Den Band "Legenden und Erzählungen", der 1921 mit Unterstützung des Schriftstellers Stefan Zweig entsteht, schickt Nelly an die von ihr verehrte Selma Lagerlöf, von der sie sich einst hat inspirieren lassen ( und mit der sie seit ihrem 15. Lebensjahr korrespondiert ). Die Nobelpreisträgerin antwortet: "Ich hätte es selber nicht besser machen können." Die Karte ist adressiert an "Nelly Sachs, Schriftstellerin", eine Auszeichnung für die junge Autorin! Und damit hat Nelly Sachs weiter an ihrem Faden zum Land im Norden gesponnen, der noch wichtig sein wird...

Am literarischen Leben des avantgardistischen Berlins der 1920er Jahre nimmt sie nicht teil. Stattdessen führt sie ein beinah nonnenhaftes Leben in ihrer privaten Welt, stets in Sorge um ihre Eltern. Den krebskranken Vater pflegt sie bis zu seinem Tod 1930. Damit beginnen wirtschaftlich schwere Zeiten für Nelly und ihre Mutter, mit der sie geradezu symbiotisch verbunden ist. Sie müssen in ein Mietshaus in der Lessingstraße im Berliner Hansaviertel umziehen, das noch in mütterlichem Besitz ist. Nelly widmet sich aber auch immer ihren Gedichten. Gegen Ende des Jahrzehnts erscheinen einige davon in verschiedenen Berliner Zeitungen. Die Kritik und das interessierte Publikum zollen ihrer Lyrik Anerkennung, doch die Leserschaft bleibt überschaubar.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ist die Existenz von Mutter & Tochter bedroht. Lange hat sich Nelly ganz als Deutsche gefühlt und ihr Judentum keine Rolle gespielt - unversehens findet sie sich darauf zurückgeworfen. Dazu gehört, dass sie gemäss der NS-Politik ihre Gedichte nur noch in jüdischen Zeitschriften veröffentlichen darf und ihre kulturellen Aktivitäten auf sogenannte Kulturbünde beschränken muss. Dort lernt sie u.a. Gertrud Kolmar und Jacob Picard kennen, dort werden ihre Gedichte in diesen Jahren einzig gelesen. Sie wendet sich nun auch jüdischen Themen zu, liest die Bibelübersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig und verfasst den Zyklus "Melodien der Bibel".

1938
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Nach der Reichskristallnacht werden Nelly und ihre Mutter Opfer der Enteignungen und müssen in einem sogenannten Judenhaus wohnen. In einem möblierten Zimmer warten sie auf eine Ausreisegenehmigung oder auf den Gestellungsbefehl zur Zwangsarbeit, i.e. die Deportation ins Konzentrationslager. 

Ein "Leben unter Bedrohung", so der Titel eines Prosagedichts, in dem sie im vollen Bewusstsein der Gefahr schreibt: "Höchster Wunsch auf Erden: Sterben ohne gemordet zu werden." Das Gefühl der Bedrohung wächst noch, als Nelly von der Ermordung ihres "Bräutigams" erfährt. Überleben will sie nur "für meine geliebte Mutter".

Sie wendet sich mehrmals brieflich um Hilfe an Selma Lagerlöf, die ihr ein Affidavit verschaffen soll, das Emigranten für ihr Einreiseland brauchen. Das ist eine Garantie dafür, dass bestimmte Organisationen oder Privatpersonen notfalls für den Lebensunterhalt der Exilanten aufkommen, so dass staatliche Sozialhilfe nicht in Anspruch genommen werden muss. 

Der Anteil von Selma Lagerlöfs Hilfe in dieser lebenswichtigen Angelegenheit ist allerdings strittig: Die Dichterin ist zu diesem Zeitpunkt schon alt, krank und müde und kann selbst nicht mehr viel unternehmen. Entscheidender dürfte der Anteil der Dresdener Freundin Nellys, Gudrun Harlan, sein. Die reist nämlich im Sommer 1939 nach Schweden und erhält mit Lagerlöfs Hilfe eine Audienz bei Prinz Eugen Bernadotte, dem Bruder des schwedischen Königs Gustav V., der sie zu den Einwanderungsbehörden vermittelt. Gudrun Harlan startet auch die zeitraubende Sammelaktion, um die geforderte finanzielle Existenzgrundlage für die beiden Frauen zusammenzubekommen.

Nach ihrer Ankunft in Schweden
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Als am 9. April 1940 Dänemark und Norwegen von den Deutschen besetzt werden, reist die Freundin in größter Eile nach Berlin, um die Rettung voranzutreiben, denn die Einreiseerlaubnis aus Stockholm ist noch nicht da, als der Gestellungsbefehl für das Arbeitslager kommt. Eine weitere Freundin, Anneliese Neff, bekommt aber in der schwedischen Botschaft heraus, dass die Einreiseerlaubnis schon längst vorliege. 

Mit dem Gestellungsbefehl und der Einreiseerlaubnis wendet sich Nelly selbst an einen Gestapo-Beamten, der ihr früher schon Hilfe angeboten hat. Sein Ratschlag: "Zerreißen Sie den Gestellungsbefehl und fliegen Sie mit Ihrer Mutter nach Stockholm!"

Kurze Zeit später tritt das allgemeine Auswanderungsverbot in Kraft.

Als Nelly & Margarete Sachs am 16. Mai 1940 mit einem der letzten zivilen Flugzeuge aus Berlin - Tempelhof nach Stockholm fliehen, liegt mehr als die Hälfte des Lebens der Dichterin hinter ihr. Und vor ihr eines, weit entfernt von jener deutsch-jüdischen Bürgerexistenz in Berlin, denn "die Pforten des schwedischen Paradieses öffnen sich, aber das Land dahinter fühlt sich kalt an."
Chor der Toten
Wir von der schwarzen Sonne der Angst
Wie Siebe Zerstochenen –
Abgeronnene sind wir vom Schweiß der Todesminute.
Abgewelkt an unserem Leibe sind die uns angetanen Tode
Wie Feldblumen abgewelkt an einem Hügel Sand.
Nelly Sachs Fremdenpass
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Die beiden Frauen werden einer Aufnahmestelle zugewiesen, danach bei verschiedenen Familien & im Kinderheim ( der kleinen, zierlichen Nelly werden tatsächlich Kinderbetten zugewiesen ) untergebracht, bis sie nach anderthalb Jahren eine winzige Wohnung am Bergsundsstrand 23 im Süden Stockholms beziehen können. Das Haus gehört der Jüdischen Gemeinde. Feucht und düster ist diese Wohnung, der Blick fällt auf einen Hinterhof. 

Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beiden, einst Mitglieder der Berliner Großbourgeoisie, sind mehr als bescheiden. Nelly bemüht sich um Arbeit, wo immer sie kann. Eine Zeit lang verdingt sie sich als Wäscherin und Näherin. Die Pflege der kränkelnden Mutter und die eigene angeschlagene Gesundheit zehren an ihrer Energie. Oft ist Nelly auf die Hilfe ihrer Freunde angewiesen. Noch ehe sie die schwedische Sprache beherrscht, erledigt sie Übersetzungsarbeiten. ( Bis zu ihrem Tod wird sie moderne schwedische Lyrik ins Deutsche übertragen und damit eine bedeutsame Rolle als Vermittlerin spielen. )

Die Beschäftigung mit der fremden Sprache und Literatur bewirkt in ihrer eigenen Lyrik eine radikale Veränderung ihres bisherigen Stils. Die lakonische, jeder Gefühligkeit und Stimmung entbehrende schwedische Lyrik der Zeit prägt jetzt ihr Schreiben. Mit den Gedichten "In den Wohnungen des Todes" vom Winter 1943/44 schafft sie ihren ersten großen Lyrikband ( der 1947 im (Ost-) Berliner Aufbau-Verlag herauskommt ).

Nach den Berliner Schreckensjahren kann sie in Schweden endlich die Lähmung überwinden und unter dem Eindruck der Nachrichten aus den Konzentrationslagern das Böse erstmals in direkten sprachlichen Bildern benennen, was sie vorher immer nur verschlüsselt und in Symbolen dargestellt hat. Über die "Sternverdunkelung" ( 1949 ) schreibt sie nachts, wenn die kranke Mutter schläft, in der winzigen Küchenecke. 

Im August 1948, erhalten Mutter und Tochter im Haus, in dem sie wohnen, eine größere Wohnung auf der Sonnenseite mit Blick auf die südlichen Gewässer Stockholms, Nellys "Kajüte":


Im Februar 1950 stirbt die Mutter, und Nelly gerät in eine schwere Depression. "Meine Mutter ist gestorben. Mein Glück, meine Heimat, mein Alles." Die jahrelange, aufopfernde Pflege hat sie bis dahin über viele Ängste und Schuldgefühle hinweggetäuscht. Nun, nach dem Ende dieser ohne Abgrenzung verlaufenen Beziehung, bricht alles ungefiltert über sie hinein. Sie erleidet mehrere Nervenzusammenbrüche, hat Halluzinationen, Paranoia und die Vorstellung, dass sie immer noch von den Nazis verfolgt wird. Aber Nelly Sachs kann alle Krisen überstehen, solange sie nur dazu in der Lage ist, diese in Worte zu fassen: "Nur was ich vergessen soll, vergesse ich nicht."

An ihrem 70. Geburtstag ( zweite von links )
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Von 1960 bis 1963 wird sie dann allerdings in der psychiatrischen Klinik Bekomberga in Stockholm untergebracht. Die tragische Paradoxie: Das Werk der Nelly Sachs, entstanden aus jenen Schatten deutscher Vergangenheit, die sie so stark plagen, dass sie schließlich in der Psychiatrie landet, wird ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt in der Bundesrepublik wahr genommen.
"Diese schreckliche, schlimme Erfahrung der zwölf Jahre NS-Diktatur ist so oft irgendwie geschildert worden, dass die Metaphern, die damals von Nelly Sachs benutzt worden sind, Metaphern, die nicht nur Metaphern sind, nicht nur Bilder sind, sondern konkrete Aussagen natürlich auch, die aber damals zum ersten Mal in der Dichtung auftauchten, diese Metaphern kennen wir heute zu gut. Und man bekommt vielleicht, wenn man etwas schlampig historisch denkt, den Eindruck, das sei Kitsch. Aber Kitsch kam erst danach", meint Aris Fioretos, der Kurator der Berliner Ausstellung von 2010 über Nelly Sachs Gedichte.    
Bevor sie aber diese Leserschaft in der Bundesrepublik findet, erweckt sie das Interesse der jungen Dichtergeneration in Deutschland: Alfred Andersch ist der erste, der auf ihre Veröffentlichungen in Ost-Berlin aufmerksam wird. Ab 1958 wird Hans Magnus Enzensberger ihr Lektor und Freund, der für die Veröffentlichung ihrer Werke im angesehenen Suhrkamp Verlag sorgt.

Während ihre psychische Labilität also zunimmt, findet Nelly Sachs endlich auch öffentliche Anerkennung. Ihre Gedichte werden in viele Sprachen übersetzt, in Israel pflanzt man einen Wald für sie. In Deutschland erhält die Berlinerin mit schwedischer Staatsbürgerschaft ( seit 1952 ) den Meersburger Droste- Preis,  zu dessen Verleihung sie das erste Mal seit zwanzig Jahren nach Deutschland kommt ( nach ihrer Rückkehr nach Schweden bricht sie wieder zusammen ). Sie wird korrespondierendes Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Sie wird mit dem von der Stadt Dortmund ihr zu Ehren gestifteten Nelly - Sachs - Preis ausgezeichnet. Und 1965 wird ihr der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen:

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Noch einmal kehrt sie ins Land der Shoa zurück.

Im Jahr nach der Friedenspreisverleihung erhält Nelly Sachs 1966 – gemeinsam mit dem israelischen Autor Samuel Josef Agnon - den Nobelpreis für Literatur zugesprochen:

Mit dem schwedischen König
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Mit Samuel Josef Agnon
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In ihrer Rede anlässlich der Preisverleihung erinnert sie sich an ihre persönliche Geschichte:
"Wir atmeten die Luft der Freiheit ohne die Sprache zu sprechen oder irgendjemanden zu kennen. Heute, 26 Jahre später, denke ich daran, was mein Vater an jedem zehnten Dezember in meiner Heimatstadt Berlin zu sagen pflegte: ‚Jetzt findet die Nobelfeier in Stockholm statt.' Dank der Wahl der Schwedischen Akademie bin diesmal ich Mittelpunkt dieser Feierlichkeiten. Für mich ist ein Märchen wahr geworden." ( Quelle hier )
Das Preisgeld soll nach ihrem Wunsch verteilt werden "an Hilfesuchende der ganzen Welt, was übrig ist gehört Gudrun ( Harlan, Erg. durch mich )" 
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Im folgenden Jahr hat Nelly Sachs einen Herzanfall, 1968 folgt wieder ein Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik. Dann wird bei ihr Krebs diagnostiziert und sie 1969 operiert.

Am 12. Mai 1970 stirbt Nelly Sachs. Sie ist da nur noch einen Meter achtundvierzig groß - in den dreißig Jahren, die sie in Schweden gelebt hat, ist sie sechs Zentimeter kleiner geworden, als ob sie geradezu verschwinden wollte:
„Ich habe Schweden sehr lieb gewonnen und es hat uns gerettet, aber auf Erden ist kein Ort mehr. Ich hab keinen Ort mehr auf der Welt. Es ist ortlos, wo ich bin. Nicht Stockholm und nicht Berlin und nichts mehr.“ 
Sie wird auf dem jüdischen Friedhof von Norra begravningsplatsen im Norden Stockholms beigesetzt.
"Wenn man einmal auf der Flucht einen Stein gestreichelt hat, weil es das erste war, worauf man sich niederließ in einem freien Land – so hat man niemals mehr ein nahes Verhältnis zu allem, was nicht ganz direkt zum Dasein dient."





Kommentare:

  1. Ich sitze hier und weine... Diese zarte Frau, was musste sie tragen... Ihre Lyrik stand im elterlichen Bücherregal, ich werde mal wieder lesen. Danke für diese besonderen Morgenminuten heute... Lieben Gruß Ghislana

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  2. Liebe Astrid, dein heutiger Beitrag hat mich sehr mitgenommen. Nelly Sachs gehörte neben Kurt Tucholosky zu den beiden nach Schweden geflohenen Autoren, über deren Leben und Werk ich in meiner Staatsarbeit vor vielen Jahren schrieb. Einmal in so ein Schicksal eingetaucht, lässt es einem nicht mehr los, man bleibt damit verbunden. Du hast es wunderbar dargestellt. Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Das ist ja dann ein schöner Zufall. Und ein interessantes Thema! Hab mich mit den "Verbrannten Dichtern" ja nur nach dem Studium privat beschäftigt...
      GLG

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  3. Wer ihre Zeilen über Heimatlosigkeit und Flucht liest, kann die Parallelen zu heutigen Flüchtlingen nicht ausblenden. Sie hat das Elend in ganz besondere Worte fassen können.
    Gestern in München - im schönsten Sonnenschein, wie trügerisch - am Königsplatz waren öffentliche Lesungen zu Schriftstellern (Nelly Sachs Name stand auch dort), deren Werke an dieser Stelle am 10.Mai 1933 öffentlich verbrannt wurden. Es wurde auch von Anna Seghers eine Sequenz gelesen, wo sie voller Sorge auf ihre Anerkennung als Flüchtling in Mexico wartete...
    Welche Schicksale und welch charaktervolle Frauen.
    Nelly Sachs hat zwar letztlich die hochverdiente weltweite Anerkennung bekommen, aber sie hat einen enormen persönlichen Preis bezahlt.
    Danke, dass Du sie heute vorgestellt hast.
    Herzlichste Grüße von Sieglinde

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    1. Das war ja dann eine gute Aktion zu diesem Gedenktag! Und dann komm ich noch daher...
      GLG

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    2. Ja, das hat heute sehr gut gepasst und hat gleich das gestern Erlebte vertieft.
      GLG Sieglinde

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  4. Danke Tante Astrid für diesen tollen Beitrag...jetzt weiß ich wenigstens genug über die Person deren Namen unsere Straße trägt!! *zwinker*

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    1. Du warst für mich ja auch der "Aufhänger". Jetzt freut es mich, dass du mehr über sie erfahren hast!
      Euch alles Liebe!

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  5. und wie ich kürzlich gelernt habe, wurden die jüdischen/verfolgten menschen in schweden auch nicht von allen mit offenen armen empfangen... ich ziehe paralellen zu heute in deutschland. es ist unvorstellbar. eine beeindruckende frau! danke für die erinnerung und die einblicke!
    liebe grüße,
    jule*

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    1. Das stimmt schon. Das Affidavit macht das ja deutlich genug: Nur wer genug Geld hatte, konnte kommen. In puncto Schweiz gibt es da Ähnliches, da habe ich auch noch was in petto. Und aus meiner eigenen Familiengeschichte hätte ich da auch noch einiges zu erzählen, was die Aufnahme von "Biodeutschen" nach dem 2. Weltkrieg anbelangt. Die Menschheit bekleckert sich eher selten mit Ruhm, was Flüchtlinge anbelangt, höchstens Einzelpersonen.
      LG

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  6. Liebe Astrid,
    schön, dass du dieser bemerkenswerten Frau deinen Post gewidmet hast.
    Eine Frau, die sich nicht unterkriegen ließ und auch als Emigrantin ihre Stimme erhob.
    Einen stressfreien Donnerstag wünscht
    Irmi

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  7. Tatsächlich fällt mir der Zugang zu Nelly Sachs schwer und ich finde ihre Lyrik sperrig. Mir kommt dann der Vergleich zu Mascha Kaléko und Else Lasker-Schüler, die ja durchaus ähnliche Biografien aufweisen und deren Gedichte ich wahnsinnig liebe. Auch wird Nelly Sachs häufig in einem Satz mit Paul Celan genannt - dem wiederum wurde ja der Vorwurf gemacht, "zu schön" über die schweren Themen zu schreiben, mir kommt seine Sprache aber näher. Ich habe aber doch ein paar Zeilen gefunden, die mich berühren" Während die Grille fein kratzt
    Am Unsichtbaren
    Und der Stein seinen Staub
    Tanzend in Musik verwandelt.
    Liebe Grüße und danke für das ausführliche Portrait

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  8. vielen Dank für Ihre Portraits, ich lese sie gerne, dieses ist besonders anrührend.

    Martine

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  9. Ein anrührendes Portrait! Danke liebe Astrid!
    Ich kannte wenig von ihr muss ich zu meiner Schande gestehen, obwohl ich in meinen 20 Jahren als Buchhändlerin immer wieder "mit ihr zu tun hatte" aber ich habe eigentlich über ihr Schicksal überhaupt nichts gewusst bis dato.

    Liebe Grüße
    Susi

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  10. Nelly Sachs ist wieder so ein Beispiel für den Mief im Nachkriegsdeutschland.
    Eine gelungene Darstellung.
    LG
    Magdalena

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  11. Liebe Astrid vielen Dank wieder für den sehr interessanten Beitrag. Was musste Sie doch alles erdulden. Herzlichen Gruß Sylvia

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  12. Liebe Astrid,
    vielen Dank für das aufschlussreiche Portrait von Nelly Sachs, ich habe bisher noch nichts von ihr gelesen, das wird sich nach diesem Post ändern,
    herzlich Margot

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  13. Oh schön, wieder sehr interessant zu lesen. Ich kenne Nelly Sachs nur dem Namen nach. Was sie alles mitgemacht hat...
    Liebe Grüße
    Marita

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  14. ein bewegendes und berührendes Leben
    welche innere Kraft muss sie gehabt haben
    immer wieder "aufzustehen" nach den Nackenschlägen des Lebens

    eine starke Frau
    danke für das Portrait

    liebe Grüße
    Rosi

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  15. So eine große Frau, kleingemacht durch die schreckliche Zeit, hochgelobt erst als sie (fast) am Ende war. Mit Martin Buber und Hilde Domian hatte sie Leidenspartner im Jüdischen. Und Schweden: nicht immer so offen wie es nach außen scheint.
    Danke für deinen Post und Gruß zu dir
    heiDE

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  16. Nelly Sachs kannte ich nur dem Namen nach, es gibt hier eine Straße, die nach ihr benannt ist, und ich wusste, dass sie Schriftstellerin war. Sie hat schwer getragen an ihrem Schicksal! Danke, dass du an sie erinnerst.
    LG
    Ursel

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Der Kommentar ist für den Blogger wie der Applaus im Theater - also: worauf wartest du?

Aber bitte nicht vollkommen anonym - ein Name ist erwünscht! Und ein gewisses Maß an Herzensbildung auch - ansonsten schalte ich den Kommentar nicht mehr frei. Das kann auch schon mal dauern - dann bin ich vom Schreiben neuer Posts gefesselt!

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